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TALENTSUCHE | Antizyklisch und mutig

Hinzu kommen die Lücken im Mittelbau der Unternehmen, die durch die Entlassungswellen vergangener Jahre gerissen wurden. Die einhergehende sichtbare Überbetonung von Flexibilität, Dynamik und Aktivität führt zu einem Verlust an Seniorität und Erfahrung. „Grey hair ist nicht mehr gefragt!" Selbst diejenigen über Fünfzig, die in der tatsächlichen Leistung locker mit den Jüngeren mithalten, ste-hen aus Kostengründen auf den Transferlisten. Die Jüngeren sind einfach günstiger.

Wenn dann noch regionale und strukturelle Engpässe, wie die Sogwirkung der Ballungszentren oder die mangelnde Attraktivität gan-zer Wirtschaftszweige hinzukommen, wird es ernst.

Das bedeutet für die Personalabteilungen in den Unternehmen, dass einerseits die Personalbindung das wichtigste Thema bleibt, und andererseits die Personalbeschaffung wieder in den Vordergrund treten und noch anspruchsvoller werden wird. Die Luft am oberen Ende wird immer dünner. Oder wie die Studie konstatiert: "Junge Talente werden nicht mehr in der bislang bekannten Quantität nachwachsen und auch nicht mehr in der gewohnten Qualität".

Deshalb heißt es jetzt, die besten Kräfte im Unternehmen aufspüren und gezielt in einem Entwicklungsprogramm betreuen. Ohne eine wirksame Bindung an die Unternehmen werden die Toptalente den Arbeitgebern schnell den Rücken kehren, wenn die Zeiten wieder rosiger werden und verlockende Angebote von anderen winken.

Auch für die Neubesetzung von Führungspositionen ist jetzt der günstigste Zeitpunkt. Erfahrene Marktteilnehmer haben den Mit-telstand dazu aufgerufen, aus dem Vollen zu schöpfen und sich heute schon jene Fachkräfte zu suchen, die sonst später in Zeiten der Hochkonjunktur wieder bei den Großunternehmen anklopfen werden.

Wer sich heute als attraktiver Arbeitgeber positioniert, hat seine "Schäfchen" im Trockenen, wenn sich die Großen mit dem Scheckbuch in der Hand erneut den Kampf um die Talente liefern werden

Für die Führungstalente von heute lautet die Schlußfolgerung: Augen auf, denn die Arbeitgeber, die als erste die „Lähmung" überwinden, sind möglicherweise die Topunternehmen von morgen.