Knowledge Center » Die ingeniam Artikelserie » SCHACHFIGUR | Nein danke
Viele - vor allem internationale - Konzerne haben in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich mit einem ungeschriebenen Gesetz gelebt: mit dem „Generationenvertrag im Management".
Was meine ich damit? Zwischen 25 und 40 Jahren ließen sich unzählige Manager oft wie „Schachfiguren" verschieben - quer über Abteilungen und Bereiche, von einem Auslandsjob zum nächsten. Es wurde von diesen Mitarbeitern enormer persönlicher, vor allem auch zeitlicher Einsatz gefordert, und sie haben ihn gegeben. Natürlich mit einer Karotte vor der Nase: dem Top-Management-Job zwischen 40 und 50 Jahren! Ab 50 sorgten diese Multis dann für ihre Manager. In extremer Ausprägung die Japaner mit dem berühmten Stuhl vor dem Fenster. Repräsentationsjobs oder Positionen mit viel Ehre, aber wenig Entscheidungsbefugnis. Worauf sich diese über 50-jährigen in jedem Fall verlassen konnten, war: Ihr Unternehmen hat durch zur Verfügung stellen von prestigeträchtigen, gut bezahlten Jobs für sie gesorgt. Diese langfristige Sicherheit wurde durch überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz und hohe Firmenloyalität abgegolten.
Dieser „Generationenvertrag im Management" ist tot!
Die hierarchischen Organisationen werden flacher, Rückkehrtickets nicht mehr eingelöst und kurzfristiges Shareholder-value-Denken lässt kein Disponieren in Generationen mehr zu. Viele Nachwuchsmanager stellen daher - und nicht ganz unberechtigt - ihre „fremdbestimmte" Karriere in Frage. Sie sind nun ihrerseits nicht mehr bereit, einseitige Loyalität zu zeigen, sondern suchen permanente persönliche Weiterbildung, holen sich Zusatzqualifikationen und üben ihrerseits Druck auf Unternehmen aus, schneller ihren „return on investment" zu erhalten. Dieses kurzfristige Denken von Unternehmen und Mitarbeitern wird in den nächsten Jahren viele Personalentscheidungen wesentlich beeinflussen.
Schon heute bemerken Personalabteilungen, dass viele ihrer Aufgaben - wie Personalentwicklung und Karriereplanung - neu zu definieren und in Zukunft viel flexibler zu handhaben sein werden. Ein neues Selbstverständnis der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer scheint notwendig. Dynamischer, fordernder, unternehmerischer!