Knowledge Center » Die ingeniam Artikelserie » KRISE | trotzdem Karriere
Einstieg und Aufstieg sind auch in der Krise eine Frage der persönlichen Kompetenz. Die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen führt zu zwei Tendenzen. Erstens: Für Top-Positionen stehen weit mehr Bewerber zur Auswahl. Zweitens: Viele Manager/Mitarbeiter im Unternehmen haben Angst um ihre Position. Während Sorgen oftmals lähmend wirken, kann ein gelungenes Selbstmarketing gerade jetzt den Beginn einer erfolgreichen Karriere markieren. Jemand, der etwas zu bieten hat und dies auch klar artikuliert, signalisiert sehr deutlich, mein Human Capital ist wichtig und möglicherweise unverzichtbar für das Unternehmen.
Dieses Signal muss auf einer klaren und eindeutigen Grundlage aufsetzen: Ich muss die fachlichen und die sozialen Kompetenzen, die ich durch Selbstmarketing bewerben möchte, genau kennen, und ich muss die möglichen Tätigkeitsfelder, die sich daraus ableiten, ebenso genau kennen. Ohne Produkt-/ Dienstleistungsaussage und ohne definierte Zielgruppe ist das Marketinghandwerk nicht auszuüben. Sehr viele Einsteiger und viele Aufsteiger haben jedoch keine genauen Vorstellungen darüber, was sie wirklich können und wollen.
Die Karriere-Kernfrage lautet demnach, welchen Mehrwert biete ich dem Markt? Um diese Frage richtig zu beantworten, sollte der Suchende auf den weisen Rat des Häuptlings Winnetou hören: „Wenn Du wissen willst, was deine Feinde tun werden, dann musst Du in ihren Mokassins durch die Prärie laufen." Aus dem Blickwinkel des Unternehmens gedacht, bieten sich einige Werte an, die einen solchen Mehrwert ausmachen können und die gerade jetzt auf dem Einkaufszettel der Entscheider stehen: überdurchschnittliches Engagement, Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, Kreativität und Initiative zu neuen Ansätzen und originellen Ideen, die auch in der Krise gute Chancen auf Durchsetzung finden. Soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Stressresistenz, die Fähigkeit zur Eigenmotivation und die Bereitschaft zu ständiger persönlicher Weiterentwicklung fallen auf.
Ein gesundes Selbstbewusstsein ohne den Fehler der Selbstüberschätzung und ein tolerantes, sicheres Auftreten auf der Grundlage guter Umgangsformen bestimmen den Unterschied. Diese Eigenschaften sollten ergänzt werden durch eine hohe Verwendungs-/ und Einsatzbreite und ausgeprägte Networking-Fähigkeiten. Schon die Studienschwerpunkte bestimmen die späteren Einsatzmöglichkeiten. Auch die Tätigkeit für ein Unternehmen mit einer hohen interdisziplinären Arbeitsweise setzt Zeichen. Breite ist gesucht.
Die Kombination verschiedener Disziplinen ist gefragt: philologische und naturwissenschaftliche bzw. wirtschaftswissenschaftliche und juristische Kombinationen setzen Maßstäbe. Außenseiter sind die ersten, die im Zweifel gehen müssen. Wer Networking nicht beherrscht, ist hochgradig gefährdet. Flexibilität und Mobilität sind gesuchte Attribute mit Wirkung: Wer sich nur auf eine bestimmte Position festlegt, hat selten eine zweite Chance. Wer immobil ist, hat immer seltener eine erste Chance.
Auch bei der Vergütung gibt es Spielraum für eine Wertorientierung. Es fällt den Unternehmen zunehmend schwerer, einen Wechselbonus zu zahlen. Feste Vergütungen tendieren sehr fest, wenn nicht südwärts. Variable Vergütungen, die den möglichen Erfolg des Unternehmens direkt mit dem Gehalt koppeln, sind „in". Wenn das Gehalt trotz überdurchschnittlicher Leistungen im Branchendurchschnitt und innerhalb des Unternehmens unangemessen ist, dann gibt es immer einen Spielraum. Auch hier gilt: Der Nutzen, die besondere Bedeutung der individuellen Leistung muss klar und eindeutig erklärbar sein. Bei allen Überlegungen zu den gesuchten Eigenschaften und zum persönlichen Mehrwert muss das Verhältnis zur Leistung bestehen bleiben: Eigenschaften und Werte bestimmen nur die Spielregeln, die Performance in Projekten und die Erreichung der gesetzten Ziele; der harte persönliche Einsatz und der Wille zum Erfolg bestimmen den Spielverlauf.